Der Getriebeölwechsel ist eine oft unterschätzte Wartungsarbeit, die jedoch entscheidend für die Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit Ihres Audi A4 B8 ist. Gerade bei Automatikgetrieben wie der S tronic oder Multitronic kann vernachlässigte Wartung schnell zu teuren Folgeschäden führen. In diesem Artikel führe ich Sie durch alle wichtigen Aspekte des Getriebeölwechsels, von den Intervallen über die Kosten bis hin zur korrekten Vorgehensweise.
Getriebeölwechsel beim Audi A4 B8: Intervalle, Kosten und die richtige Vorgehensweise für jedes Getriebe
- Automatikgetriebe (S tronic, Multitronic): Ein Wechsel alle 60.000 km ist für die Langlebigkeit entscheidend.
- Schaltgetriebe: Trotz oft angegebener "Lebensdauerfüllung" wird ein Ölwechsel spätestens alle 100.000 km von Experten empfohlen.
- Ölspezifikation: Die exakte Audi-Freigabe und der Getriebetyp (z.B. ATF, DCTF) sind für die Auswahl des richtigen Öls kritisch.
- Kosten: Ein DIY-Wechsel spart Geld, erfordert jedoch Spezialwerkzeug; Werkstätten verlangen für Automatikgetriebe 300-600 €.
- DIY-Durchführung: Erfordert Fachwissen, eine Hebebühne oder Grube und ein Diagnosetool (VCDS) zur präzisen Temperaturkontrolle.
- Fehlervermeidung: Falsches Öl, die Missachtung der Öltemperatur oder ein inkorrekter Füllstand können zu Getriebeschäden führen.

Warum der Getriebeölwechsel bei Ihrem A4 B8 kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist
Viele Autobesitzer denken beim Thema Wartung zuerst an den Motor. Doch das Getriebe leistet Schwerstarbeit und benötigt ebenso regelmäßige Pflege. Das Getriebeöl ist dabei weit mehr als nur ein Schmiermittel. Es ist das Lebenselixier, das dafür sorgt, dass die komplexen Zahnräder, Kupplungsscheiben und Wellen reibungslos und verschleißarm arbeiten. Wenn dieses Öl über die Jahre seine Eigenschaften verliert oder durch Abrieb verunreinigt wird, leidet die Funktion des Getriebes. Die Folgen reichen von spürbaren Schaltproblemen und Ruckeln bis hin zu Überhitzung und im schlimmsten Fall zu einem irreparablen Getriebeschaden. Ein regelmäßiger Wechsel ist daher unerlässlich, um die volle Leistung und Lebensdauer Ihres A4 B8 zu erhalten.
Die unsichtbare Arbeit: Was Getriebeöl wirklich leistet
Getriebeöl erfüllt mehrere kritische Funktionen, die für den einwandfreien Betrieb Ihres Audi A4 B8 unerlässlich sind. An erster Stelle steht die Schmierung: Es bildet einen schützenden Film zwischen den beweglichen Metallteilen und reduziert so Reibung und Verschleiß erheblich. Gleichzeitig dient es der Kühlung, indem es Wärme abtransportiert, die durch die Reibung entsteht. Darüber hinaus hat es eine Reinigungsfunktion, da es kleinste Metallpartikel, die durch normalen Verschleiß entstehen, bindet und zum magnetischen Ablaufstopfen transportiert. Nicht zuletzt unterstützt es die Kraftübertragung, insbesondere bei Automatikgetrieben, wo es eine entscheidende Rolle bei der Funktion von Drehmomentwandlern und Kupplungspaketen spielt. Vernachlässigen Sie diese Funktionen, setzen Sie Ihr Getriebe unnötigen Belastungen aus.
Symptome ignorieren? Anzeichen für überfälliges Getriebeöl, die Sie kennen sollten
- Harte oder verzögerte Schaltvorgänge: Das Getriebe fühlt sich träge an, Gänge rasten nicht mehr sanft ein.
- Ruckeln oder Vibrationen: Besonders beim Anfahren, Beschleunigen oder beim Wechsel zwischen Gängen sind ungewöhnliche Bewegungen spürbar.
- Ungewöhnliche Geräusche: Klappern, Surren oder Mahlen aus dem Bereich des Getriebes können auf mangelnde Schmierung oder verschlissene Teile hindeuten.
- Schlechtere Beschleunigung: Das Gefühl, dass die Kraft nicht mehr optimal übertragen wird, kann ein Indikator sein.
- Erhöhte Getriebetemperatur: Bei Automatikgetrieben kann ein zu altes oder zu wenig Öl zu Überhitzung führen, was oft durch eine Warnleuchte signalisiert wird.
"Lebensdauerfüllung" beim Schaltgetriebe: Ein Mythos, der teuer werden kann
Audi gibt für viele seiner manuellen Schaltgetriebe an, dass diese mit einer "Lebensdauerfüllung" ausgeliefert werden. Das bedeutet, das Öl ist theoretisch dafür ausgelegt, so lange im Getriebe zu verbleiben, wie das Getriebe selbst hält. In der Praxis sieht das anders aus. Über die Jahre hinweg verliert das Öl an Schmierfähigkeit, wird durch thermische Belastung und mechanischen Abrieb verunreinigt. Gerade bei sportlicher Fahrweise oder häufigen Kurzstreckenfahrten kann dies zu erhöhtem Verschleiß führen. Aus diesem Grund empfehlen viele erfahrene Mechaniker und Getriebespezialisten einen vorsorglichen Wechsel, spätestens alle 100.000 Kilometer, um die Lebensdauer des Schaltgetriebes zu maximieren und teure Reparaturen zu vermeiden.

S tronic, Multitronic oder Schalter? Welches Getriebe schlägt in Ihrem A4 B8?
Der Audi A4 B8 wurde mit einer Auswahl an Getriebetypen ausgeliefert, die sich in ihrer Funktionsweise und ihren Wartungsanforderungen stark unterscheiden. Die S tronic ist ein hochentwickeltes Doppelkupplungsgetriebe, das für schnelle und nahtlose Gangwechsel sorgt. Es benötigt spezielles Öl und oft einen separaten Ölfilter, dessen Wechsel essenziell ist. Die Multitronic, ein stufenloses Getriebe (CVT), bietet ein besonders komfortables Fahrerlebnis ohne spürbare Schaltstufen. Dieses Getriebe gilt als anfälliger und erfordert regelmäßige Wartung mit speziellem ATF-Öl. Zu guter Letzt gibt es das klassische manuelle Schaltgetriebe, das für seine Robustheit und einfache Wartung bekannt ist, aber auch hier ist ein Ölwechsel empfehlenswert. Das Verständnis Ihres spezifischen Getriebetyps ist der erste Schritt zu einer korrekten Wartung.
So identifizieren Sie Ihren Getriebetyp zweifelsfrei
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I): Suchen Sie nach dem Feld "Getriebeart". Hier ist oft eine Angabe wie "Automatik", "Automatik (Doppelkupplung)" oder "Manuell" zu finden.
- Serviceheft oder Aufkleber im Kofferraum/an der B-Säule: Oft sind hier die sogenannten PR-Nummern (Ausrüstungslisten) aufgeführt. Spezielle Codes können auf den Getriebetyp hinweisen. Eine Recherche dieser Codes hilft weiter.
- Fahrgestellnummer (VIN): Mit der Fahrgestellnummer können Sie über Online-Decoder oder bei Ihrem Audi-Händler den genauen Aufbau Ihres Fahrzeugs inklusive des verbauten Getriebes ermitteln.
- Sichtprüfung und Fahrgefühl: Die S tronic schaltet sehr schnell und oft fast unmerklich. Die Multitronic hat keine festen Gänge, das Drehzahlniveau passt sich stufenlos der Geschwindigkeit an. Ein manuelles Getriebe hat offensichtlich eine Kupplung und einen Schalthebel.
Die entscheidenden Unterschiede: Warum der Ölwechsel nicht für alle gleich ist
| Getriebetyp | Besonderheiten beim Ölwechsel |
|---|---|
| S tronic (Doppelkupplung) | Benötigt spezielles DCTF-Öl. Oft externer Ölfilter, der mitgewechselt werden muss. Kritische Temperaturkontrolle für korrekten Füllstand. Höherer Aufwand. |
| Multitronic (CVT) | Benötigt spezielles ATF-Öl. Regelmäßiger Wechsel ist sehr wichtig, da das Getriebe als anfällig gilt. Genaue Füllstandskontrolle bei bestimmter Temperatur. |
| Manuelles Schaltgetriebe | Einfachster Wechsel. Benötigt spezifisches Schaltgetriebeöl (z.B. 75W-80 GL4+). Oft einfacheres Ablassen und Einfüllen. |
S tronic (Doppelkupplung): Präzision, die gepflegt werden muss
Die S tronic in Ihrem Audi A4 B8 ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das jedoch präzise Wartung erfordert. Beim Ölwechsel ist es entscheidend, das korrekte Doppelkupplungsgetriebeöl (DCTF) mit der exakten Audi-Freigabe zu verwenden. Oftmals ist bei der S tronic ein externer Ölfilter verbaut, der unbedingt mitgewechselt werden sollte, um die saubere Funktion der empfindlichen Kupplungselemente zu gewährleisten. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Temperaturkontrolle: Der Füllstand muss bei einer ganz bestimmten Öltemperatur gemessen werden, was den Einsatz eines Diagnosetools wie VCDS unerlässlich macht. Nur so stellen Sie sicher, dass die exakte Menge Öl eingefüllt wird und das Getriebe optimal geschmiert und gekühlt wird.
Multitronic (CVT): Die Achillesferse und wie Sie sie schützen
Die Multitronic, Audis stufenloses Automatikgetriebe, ist bekannt für ihren hohen Komfort, gilt aber auch als eine Art Achillesferse im Modellprogramm. Die ständige Variabilität der Übersetzung belastet das Getriebeöl stark. Daher ist ein regelmäßiger Wechsel des speziellen ATF-Öls (Automatic Transmission Fluid) mit der korrekten Audi-Freigabe absolut entscheidend für die Langlebigkeit. Vernachlässigen Sie diesen Punkt, riskieren Sie nicht nur Schaltprobleme und Ruckeln, sondern auch einen vorzeitigen Verschleiß der Ketten und Kegelräder, was schnell zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen kann. Der Ölwechsel bei der Multitronic ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Der Fahrplan zum Wechsel: Intervalle, Kosten und Vorbereitung
Bevor Sie sich an den Getriebeölwechsel wagen oder eine Werkstatt beauftragen, sollten Sie sich einen klaren Überblick über die notwendigen Schritte, die Kosten und die benötigten Materialien verschaffen. Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg und hilft, unerwartete Probleme zu vermeiden. Dazu gehört die Festlegung des richtigen Zeitpunkts, die Kalkulation der anfallenden Kosten und die Beschaffung aller notwendigen Teile und Flüssigkeiten. Nur so stellen Sie sicher, dass der Wechsel reibungslos verläuft und Ihr Audi A4 B8 wieder optimal geschützt ist.
Wann ist der richtige Zeitpunkt? Die 60.000-km-Regel für Automatikgetriebe
Audi und die Getriebehersteller empfehlen für die Automatikgetriebe Ihres A4 B8 sowohl für die S tronic als auch für die Multitronic ein regelmäßiges Wechselintervall von 60.000 Kilometern. Dies mag auf den ersten Blick häufig erscheinen, ist aber angesichts der hohen Belastung und der komplexen Funktionsweise dieser Getriebe absolut gerechtfertigt. Bei den manuellen Schaltgetrieben gibt Audi oft zwar eine "Lebensdauerfüllung" an, aber auch hier raten Experten aus den bereits genannten Gründen zu einem vorsorglichen Wechsel spätestens alle 100.000 Kilometer. Ignorieren Sie diese Intervalle nicht, denn das alte Öl verliert seine Schutzfunktion.
Was kostet der Getriebeölwechsel? Die Preisspanne von DIY bis zur Fachwerkstatt
Die Kosten für einen Getriebeölwechsel können stark variieren und hängen davon ab, ob Sie den Wechsel selbst durchführen oder eine Werkstatt beauftragen. Für eine Fachwerkstatt müssen Sie für die Automatikgetriebe (S tronic, Multitronic) mit Kosten zwischen 300 € und 600 € rechnen. Dieser Preis beinhaltet Lohn, Öl und oft auch den Filterwechsel. Eine Getriebespülung kann diese Kosten noch erhöhen. Wenn Sie den Wechsel selbst durchführen, fallen hauptsächlich Materialkosten an. Hochwertiges Getriebeöl kann je nach Menge und Spezifikation zwischen 8 € und über 300 € kosten. Hinzu kommen Kosten für Filter, Dichtungen und eventuell Spezialwerkzeug.
| Option | Kosten (ca.) |
|---|---|
| DIY (nur Material) | 80 € - 350 € (je nach Öl, Filter, Menge) |
| Werkstatt (Automatikgetriebe) | 300 € - 600 € |
| Werkstatt (Schaltgetriebe) | 150 € - 300 € |
Die Einkaufsliste für Selbermacher: Welches Öl und welche Teile sind die richtigen?
Wenn Sie den Getriebeölwechsel selbst in die Hand nehmen möchten, ist die richtige Auswahl der Materialien entscheidend. Hier ist eine Übersicht, was Sie benötigen:
- Getriebeöl: Das Wichtigste! Achten Sie unbedingt auf die exakte Audi-Teilenummer (ET-Nummer) oder eine freigegebene Alternative. Die Spezifikationen unterscheiden sich stark zwischen S tronic (DCTF), Multitronic (ATF) und Schaltgetriebe.
- Getriebeölfilter: Bei vielen Automatikgetrieben (insbesondere S tronic) ist ein externer Filter verbaut, der mitgewechselt werden muss.
- Dichtungen: Neue Dichtungen für die Ablass- und Einfüllschraube sind Pflicht, um Undichtigkeiten zu vermeiden.
- Werkzeug: Spezialwerkzeug wie eine Einfüllpumpe, passende Adapter, ein Drehmomentschlüssel und idealerweise ein Diagnosetool (VCDS) sind unerlässlich.
- Auffangbehälter: Ein ausreichend großer Behälter zum Auffangen des Altöls.
- Reinigungsmaterial: Lappen und Bremsenreiniger zur Säuberung der Einfüll- und Ablassöffnungen.
Die Jagd nach der richtigen Spezifikation: ATF vs. DCTF und die Audi-Freigaben
Die Wahl des richtigen Getriebeöls ist von größter Bedeutung. Für die Multitronic benötigen Sie ein spezielles ATF (Automatic Transmission Fluid), das für CVT-Getriebe geeignet ist und die entsprechende Audi-Freigabe besitzt. Die S tronic erfordert ein DCTF (Dual Clutch Transmission Fluid), das speziell für Doppelkupplungsgetriebe entwickelt wurde. Hier sind die Audi-Teilenummern (z.B. G 052 512 für S tronic, G 009 317 für Multitronic bitte immer aktuell prüfen!) oder freigegebene Öle von namhaften Herstellern wie Liqui Moly, Castrol oder Motul zwingend erforderlich. Für das manuelle Schaltgetriebe wird oft ein 75W-80 GL4+ Öl mit einer spezifischen Audi-Freigabe benötigt. Die benötigte Ölmenge variiert stark: Automatikgetriebe benötigen oft zwischen 4 und 9 Litern, während Schaltgetriebe meist um die 4 Liter fassen.
Filter und Dichtungen: Warum Sie diese Kleinteile niemals vergessen dürfen
Beim Getriebeölwechsel sind der Austausch des Getriebeölfilters und die Verwendung neuer Dichtungen keine optionalen Extras, sondern essenzielle Schritte. Der Getriebeölfilter, sofern Ihr A4 B8 über einen verfügt (typisch bei S tronic), filtert feine Metallpartikel und Schmutz aus dem Öl. Ein verstopfter oder alter Filter kann den Ölfluss behindern und die Lebensdauer des Getriebes verkürzen. Ebenso wichtig sind neue Dichtungen für die Ablass- und Einfüllschrauben. Alte, poröse Dichtungen können zu Undichtigkeiten führen, was nicht nur zu Ölverlust, sondern auch zur Kontamination des Getriebeöls mit Feuchtigkeit und Schmutz von außen bedeutet. Sparen Sie hier nicht am falschen Ende.

Anleitung für den Wechsel: Schritt für Schritt zum Erfolg (für erfahrene Schrauber)
Der Wechsel des Getriebeöls ist eine Aufgabe, die ein gewisses Maß an technischem Verständnis, Geduld und vor allem das richtige Werkzeug erfordert. Insbesondere die präzise Temperaturkontrolle und die korrekte Füllmenge sind kritisch, vor allem bei Automatikgetrieben. Diese Anleitung richtet sich daher an erfahrene Hobby-Schrauber, die sich der Komplexität bewusst sind. Wenn Sie unsicher sind, ist der Gang zur Fachwerkstatt immer die sicherere Wahl.
Essenzielle Vorbereitung: Das richtige Werkzeug und die Sicherheitsvorkehrungen
- Hebebühne oder Grube: Unverzichtbar für sicheres Arbeiten unter dem Fahrzeug.
- Getriebeöl-Einfüllsystem: Eine Pumpe oder eine große Spritze mit passenden Adaptern, um das neue Öl einzufüllen.
- Drehmomentschlüssel: Zum Anziehen der Ablass- und Einfüllschrauben sowie des Ölfilters mit dem korrekten Drehmoment.
- Diagnosetool (z.B. VCDS): Bei Automatikgetrieben unerlässlich, um die Öltemperatur exakt auszulesen.
- Ratschenkasten und passende Nüsse: Für Schrauben und Muttern.
- Schutzbrille und Handschuhe: Zum Schutz Ihrer Augen und Haut.
- Lappen und Bremsenreiniger: Zur Reinigung.
Warum ein Diagnosetool (VCDS) bei Automatikgetrieben unerlässlich ist
Bei Automatikgetrieben wie der S tronic und Multitronic ist die exakte Öltemperatur beim Befüllen und der Füllstandskontrolle von entscheidender Bedeutung. Das Öl dehnt sich bei Wärme aus, und eine falsche Füllmenge zu viel oder zu wenig kann gravierende Folgen haben. Ein Diagnosetool wie VCDS (VAG-COM Diagnostic System) ermöglicht es Ihnen, die aktuelle Öltemperatur in Echtzeit auszulesen. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie den Füllstand bei der vom Hersteller vorgeschriebenen Temperatur (oft zwischen 35°C und 50°C) kontrollieren. Ohne diese präzise Messung riskieren Sie eine Überfüllung (führt zu Schaumbildung und Überhitzung) oder eine Unterfüllung (führt zu mangelnder Schmierung und erhöhtem Verschleiß).
Spezialwerkzeug im Überblick: Von der Einfüllpumpe bis zum richtigen Drehmomentschlüssel
Für den Getriebeölwechsel sind einige Spezialwerkzeuge notwendig, die über das normale Bordwerkzeug hinausgehen. Eine Getriebeöl-Einfüllpumpe oder eine große Spritze mit flexiblen Schläuchen ist unerlässlich, da das Getriebeöl oft von unten eingefüllt werden muss und die Einfüllöffnung nicht immer gut zugänglich ist. Spezielle Adapter sind oft nötig, um die Pumpe sicher an die Einfüllöffnung des Getriebes anzuschließen. Ein Drehmomentschlüssel ist absolut kritisch, um die Ablass- und Einfüllschrauben sowie den Ölfilter mit dem vom Hersteller vorgeschriebenen Anzugsmoment festzuziehen. Zu fest angezogene Schrauben können das Gewinde beschädigen, zu lose angezogene Schrauben führen zu Undichtigkeiten.
Schritt 1: Altes Öl ablassen die richtige Temperatur ist entscheidend
Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug sicher auf einer Hebebühne oder in einer Grube steht. Bei vielen Getrieben ist es vorteilhaft, das Öl nicht eiskalt, sondern leicht warm abzulassen. Eine Betriebstemperatur von etwa 40-50°C kann helfen, dass das Öl besser fließt und mehr Schmutzpartikel mitgerissen werden. Fahren Sie den Motor kurz warm, aber nicht zu heiß, um Verbrennungsgefahr zu vermeiden. Positionieren Sie einen ausreichend großen Auffangbehälter unter der Ablassschraube des Getriebes. Lösen Sie vorsichtig die Ablassschraube (oftmals mit einem Inbus- oder Vielzahnschlüssel) und lassen Sie das gesamte Altöl ablaufen. Achten Sie darauf, dass keine Schrauben oder Werkzeuge ins Getriebe fallen.
Schritt 2: Ölfilter wechseln (falls zutreffend)
Bei Getriebetypen wie der S tronic ist ein externer Ölfilter verbaut. Dieser befindet sich meist gut zugänglich an der Außenseite des Getriebes. Lösen Sie vorsichtig das Gehäuse des Ölfilters. Achten Sie darauf, dass auch hier noch etwas Öl austreten kann. Entfernen Sie den alten Filter und reinigen Sie das Filtergehäuse gründlich. Setzen Sie den neuen Filter ein und montieren Sie das Gehäuse wieder. Achten Sie darauf, dass die Dichtung des Filtergehäuses korrekt sitzt und ziehen Sie das Gehäuse mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest.
Schritt 3: Neues Öl einfüllen die Kunst der korrekten Füllmenge
Nachdem das Altöl abgelassen und der Filter gewechselt wurde, verschließen Sie die Ablassschraube wieder mit einer neuen Dichtung und ziehen Sie sie mit dem korrekten Drehmoment fest. Nun beginnt das Einfüllen des neuen Getriebeöls. Verwenden Sie hierfür Ihre Einfüllpumpe oder Spritze. Schließen Sie den Schlauch sicher an die Einfüllöffnung an und beginnen Sie, das neue, spezifikationsgerechte Öl einzufüllen. Füllen Sie zunächst etwas weniger als die voraussichtliche Gesamtmenge ein, um später die exakte Füllmenge besser einstellen zu können.
Schritt 4: Füllstand bei exakter Temperatur kontrollieren der kritischste Moment
Dies ist der heikelste Schritt, besonders bei Automatikgetrieben. Starten Sie den Motor und lassen Sie ihn im Leerlauf laufen. Schalten Sie durch alle Fahrstufen (P, R, N, D) und verharren Sie in jeder Stufe kurz, damit sich das Öl verteilen kann. Nun müssen Sie die Getriebeöltemperatur mit einem Diagnosetool (VCDS) überwachen. Sobald die Temperatur den vom Hersteller vorgegebenen Wert erreicht hat (oft zwischen 35°C und 50°C), müssen Sie den Füllstand kontrollieren. Bei vielen Getrieben gibt es eine Kontrollschraube. Bei Erreichen der korrekten Temperatur und des korrekten Füllstands sollte Öl an der Kontrollschraube austreten. Ist zu wenig Öl eingefüllt, füllen Sie nach, bis es leicht herausläuft. Ist zu viel eingefüllt, lassen Sie vorsichtig etwas ab. Schließen Sie anschließend die Einfüll- und Kontrollschraube mit neuen Dichtungen und dem korrekten Drehmoment.
Profis am Werk: Wann der Gang zur Werkstatt die bessere Entscheidung ist
Obwohl ein DIY-Getriebeölwechsel für den erfahrenen Schrauber machbar ist, gibt es Situationen, in denen es ratsamer ist, die Arbeit einer Fachwerkstatt zu überlassen. Wenn Sie sich unsicher bezüglich der benötigten Spezialwerkzeuge oder der exakten Vorgehensweise sind, ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen. Gerade bei den komplexen Automatikgetrieben wie der S tronic oder der Multitronic sind die Risiken bei falscher Ausführung hoch. Wenn Ihnen die nötige Ausrüstung fehlt, wie beispielsweise eine Hebebühne, eine Einfüllpumpe oder ein Diagnosetool, sollten Sie die Kosten für eine Werkstatt einkalkulieren. Auch wenn Sie keine Erfahrung mit Getriebeinstandsetzung haben, ist die Beauftragung einer spezialisierten Werkstatt die klügere Wahl, um teure Folgeschäden zu vermeiden.
Getriebespülung vs. einfacher Wechsel: Was Ihr Audi wirklich braucht
Neben dem einfachen Ölwechsel gibt es auch die Möglichkeit einer Getriebespülung. Bei einem einfachen Wechsel wird nur das Öl abgelassen, das sich im Getriebe befindet (ca. 60-70% des Gesamtvolumens). Bei einer Spülung wird das alte Öl durch frisches Öl ersetzt, während der Motor läuft. Dabei werden Ablagerungen und Verunreinigungen im Getriebe gelöst und durch das neue Öl mit aus dem System gespült. Eine Spülung ist besonders sinnvoll, wenn das Getriebe eine hohe Laufleistung hat, das Öl stark verschmutzt ist oder wenn Probleme wie Ruckeln auftreten. Sie kann helfen, das Getriebe zu "reinigen" und seine Funktion zu verbessern. Allerdings ist sie aufwendiger und teurer als ein einfacher Wechsel und sollte nur von erfahrenen Werkstätten durchgeführt werden, die wissen, welche Öle und Spüladditive sie verwenden dürfen.
So finden Sie eine qualifizierte Werkstatt für Ihren A4 B8
- Audi-Spezialisierung: Suchen Sie nach Werkstätten, die sich auf Audi oder generell auf europäische Fahrzeuge spezialisiert haben.
- Erfahrungsberichte und Empfehlungen: Fragen Sie Freunde, Bekannte oder suchen Sie online nach Bewertungen und Erfahrungen anderer A4-Fahrer.
- Transparenz bei Kosten und Vorgehen: Eine gute Werkstatt erklärt Ihnen genau, was gemacht wird, welche Teile verwendet werden und wie sich die Kosten zusammensetzen. Holen Sie sich im Zweifel mehrere Kostenvoranschläge ein.
- Spezialwerkzeug und Know-how: Erkundigen Sie sich, ob die Werkstatt über das notwendige Spezialwerkzeug (insbesondere für Automatikgetriebe) und das nötige Fachwissen verfügt.
- Garantie: Fragen Sie nach Garantie auf die durchgeführte Arbeit und die verwendeten Teile.
Die 5 häufigsten Fehler beim Getriebeölwechsel und wie Sie sie vermeiden
Der Getriebeölwechsel birgt einige Tücken, die schnell zu Problemen führen können. Hier sind die fünf häufigsten Fehler, die gemacht werden, und wie Sie sie umgehen können:
Fehler #1: Verwendung des falschen Öls
Dies ist wohl der häufigste und gravierendste Fehler. Jedes Getriebe, und insbesondere die unterschiedlichen Typen im A4 B8 (S tronic, Multitronic, Schaltgetriebe), benötigt ein ganz spezifisches Öl mit einer exakten Freigabe. Die Verwendung eines Öls mit falscher Viskosität, falscher Additivierung oder ohne die korrekte Audi-Freigabe kann zu sofortigen oder schleichenden Schäden führen. Prüfen Sie IMMER die Teilenummer oder die exakte Spezifikation, die für Ihr Fahrzeugmodell und Getriebetyp vorgeschrieben ist. Im Zweifel fragen Sie Ihren Audi-Händler oder einen Spezialisten.
Fehler #2: Ignorieren der Öltemperatur beim Befüllen
Besonders bei Automatikgetrieben ist die Kontrolle der Öltemperatur beim Befüllen und der Füllstandskontrolle absolut entscheidend. Das Öl dehnt sich bei Wärme aus. Wird bei zu niedriger Temperatur zu viel eingefüllt, kann es bei Betriebstemperatur überlaufen oder zu übermäßigem Druckaufbau führen. Wird bei zu hoher Temperatur zu wenig eingefüllt, kann das Getriebe unterversorgt sein. Verwenden Sie unbedingt ein Diagnosetool (VCDS), um die exakte Temperatur abzulesen und den Füllstand nur bei der vom Hersteller vorgegebenen Temperatur zu kontrollieren.
Fehler #3: Falscher Ölstand (zu viel oder zu wenig)
Ein zu niedriger Ölstand führt zu mangelnder Schmierung, erhöhtem Verschleiß, Überhitzung und kann Schaltprobleme verursachen. Ein zu hoher Ölstand kann zur Schaumbildung des Öls führen, was die Schmierfähigkeit drastisch reduziert und zu Überhitzung und Schäden an Dichtungen durch Druckaufbau führen kann. Die präzise Einstellung des korrekten Ölstands, wie in Schritt 4 beschrieben, ist daher von größter Wichtigkeit für die Gesundheit Ihres Getriebes.
Fehler #4: Anzugsdrehmomente nicht eingehalten
Die Ablassschraube, die Einfüllschraube und das Filtergehäuse müssen mit dem vom Hersteller vorgegebenen korrekten Drehmoment angezogen werden. Zu fest angezogene Schrauben können Gewinde im Getriebegehäuse beschädigen, was eine teure Reparatur nach sich zieht. Zu lose angezogene Schrauben führen zu Undichtigkeiten, Ölverlust und möglicher Kontamination des Getriebes. Ein Drehmomentschlüssel ist hier unverzichtbar.
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Fehler #5: Verzicht auf den Filterwechsel
Bei Getrieben, die über einen externen Ölfilter verfügen (wie die S tronic), ist der Wechsel dieses Filters unerlässlich. Der Filter bindet feine Metallpartikel und Verunreinigungen, die durch den normalen Verschleiß entstehen. Ein verstopfter oder alter Filter kann den Ölfluss einschränken und die Effizienz des Getriebes beeinträchtigen. Wenn Sie den Filter nicht mitwechseln, führen Sie im Grunde nur eine Teilreinigung durch und lassen die Verunreinigungen im Kreislauf.
