Die Wahl des richtigen Kraftstoffs an der Tankstelle kann manchmal verwirrend sein, besonders wenn es um die Unterschiede zwischen E5 und E10 geht. Viele Autofahrer fragen sich, ob ihr Fahrzeug mit dem einen oder anderen Kraftstoff besser fährt, ob es Kosten spart oder gar dem Motor schadet. In diesem Artikel beleuchten wir die Fakten und helfen Ihnen dabei, eine fundierte Entscheidung für Ihr Auto zu treffen.
E10 ist oft die günstigere Wahl prüfen Sie die Verträglichkeit für Ihr Fahrzeug
- Der Hauptunterschied zwischen E5 und E10 liegt im maximalen Bioethanol-Anteil (5% vs. 10%).
- Über 97% der Benzinfahrzeuge in Deutschland vertragen E10 problemlos, aber die Herstellerfreigabe ist entscheidend.
- E10 ist an der Tankstelle in der Regel 4-6 Cent pro Liter günstiger als E5.
- Der Mehrverbrauch bei E10 beträgt in der Praxis nur etwa 1% und wird meist durch den Preisvorteil kompensiert.
- Bioethanol in E10 soll die CO2-Bilanz verbessern, wobei die Gesamtumweltbilanz umstritten ist.
- Bei nicht freigegebenen Fahrzeugen kann E10 zu Schäden an Bauteilen wie Dichtungen und Aluminium führen.
Der kleine, aber feine Unterschied: Was steckt hinter den Kürzeln?
An der Zapfsäule stolpern wir oft über die Bezeichnungen Super E5 und Super E10. Der entscheidende Unterschied liegt im maximal zulässigen Anteil von Bioethanol, einem aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenen Alkohol, der dem Benzin beigemischt wird. Bei E5, auch bekannt als Super Benzin, darf dieser Anteil bis zu 5 Prozent betragen. E10, oder Super E10, erlaubt hingegen einen Bioethanol-Anteil von bis zu 10 Prozent. Der Rest beider Kraftstoffsorten besteht aus herkömmlichem Benzin.
Bioethanol im Detail: Warum der prozentuale Anteil entscheidend ist
Bioethanol dient als Beimischung im Benzin, um dessen Klopffestigkeit zu erhöhen und gleichzeitig den Anteil fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Der höhere prozentuale Anteil von bis zu 10 Prozent in E10 ist dabei der Knackpunkt. Ethanol hat eine geringere Energiedichte als Benzin. Das bedeutet, dass bei gleichem Volumen weniger Energie freigesetzt wird. Diese Eigenschaft ist relevant für die Motorverträglichkeit, da Ethanol potenziell aggressiver auf bestimmte Materialien im Kraftstoffsystem wirken kann, und für den Energiegehalt des Kraftstoffs insgesamt.
Verträgt Ihr Auto E10? So vermeiden Sie Schäden
So finden Sie es heraus: Der 3-Schritte-Check zur E10-Verträglichkeit
- Herstellerfreigabe prüfen: Die zuverlässigste Quelle ist die offizielle Freigabe Ihres Fahrzeugherstellers. Diese finden Sie oft in der Bedienungsanleitung Ihres Autos, auf der Website des Herstellers oder in speziellen Datenbanken.
- Tankdeckel-Aufkleber checken: Viele moderne Fahrzeuge haben einen Aufkleber am Tankdeckel, der die erlaubte Kraftstoffsorte angibt. Achten Sie auf Hinweise wie "E5", "E10" oder "Super".
- DAT-Liste konsultieren: Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) führt eine Liste mit den E10-verträglichen Fahrzeugmodellen. Diese Liste ist eine gute Ergänzung zu den Herstellerangaben.
Es ist wichtig zu wissen, dass laut dem ADAC über 97 % der benzinbetriebenen Pkw in Deutschland problemlos E10 vertragen. Die Sorge vor Kompatibilitätsproblemen betrifft also nur eine kleine Minderheit der Fahrzeuge.
Risikofaktoren: Welche Autos und Bauteile besonders gefährdet sind
Obwohl die Mehrheit der Fahrzeuge E10 problemlos verträgt, gibt es bestimmte Fälle, in denen Vorsicht geboten ist:
- Ältere Fahrzeuge: Autos, die vor dem Jahr 2000 hergestellt wurden, sind oft nicht für den höheren Ethanolanteil ausgelegt.
- Bestimmte Direkteinspritzer: Einige Motoren, insbesondere die ersten Generationen von Direkteinspritzern, können empfindlich auf Ethanol reagieren.
- Materialien im Kraftstoffsystem: Ethanol kann auf bestimmte Materialien wie Aluminium, Magnesiumlegierungen und bestimmte Kunststoffe oder Gummiarten (z.B. Dichtungen) aggressiv wirken. Bei nicht freigegebenen Fahrzeugen kann dies über längere Zeit zu Korrosion oder Versprödung führen.
Versehentlich E10 getankt? Was jetzt bei einem unverträglichen Auto zu tun ist
- Nicht voll tanken: Wenn Sie feststellen, dass Sie versehentlich E10 in ein nicht verträgliches Fahrzeug getankt haben, sollten Sie den Tank nicht weiter auffüllen.
- Mit E5 verdünnen: Fahren Sie zur nächsten Tankstelle und füllen Sie den Tank mit möglichst viel ethanolarmem Kraftstoff (idealerweise Super Plus, das oft eine geringere oder keine Bioethanol-Beimischung hat) auf. Die Verdünnung senkt die Ethanolkonzentration im Tank und minimiert das Risiko von Schäden.
Für Fahrzeuge, die E10 vertragen, ist das Mischen von E5 und E10 völlig unproblematisch. Ebenso gibt es keine Bedenken, wenn Sie versehentlich E10 in einem verträglichen Fahrzeug tanken.
E10 im Vergleich: Leistung, Verbrauch und Kosten
Macht E10 den Motor müde? Ein Blick auf die Fakten zur Motorleistung
Die Sorge, dass E10 die Motorleistung mindert, ist weitgehend unbegründet. In Tests und im normalen Fahrbetrieb konnten weder der ADAC noch andere Automobilclubs signifikante Unterschiede in der Leistung zwischen Fahrzeugen feststellen, die mit E5 oder E10 betankt wurden. Moderne Motormanagementsysteme passen sich in der Regel gut an die leicht veränderten Verbrennungseigenschaften an.
Der E10-Mehrverbrauch: Mythos oder messbare Realität?
Da Bioethanol eine geringere Energiedichte als Benzin hat, ist theoretisch ein leichter Mehrverbrauch bei E10 zu erwarten. Laut dem ADAC liegt dieser Mehrverbrauch in der Praxis bei etwa 1 Prozent. Das bedeutet, dass Sie für 100 Kilometer Fahrt mit E10 nur geringfügig mehr Kraftstoff benötigen als mit E5.
Rechnet sich der Preisvorteil? So viel sparen Sie wirklich pro Tankfüllung
Der entscheidende Vorteil von E10 liegt im Preis. Dank einer geringeren Mineralölsteuer ist E10 an der Tankstelle in der Regel 4 bis 6 Cent pro Liter günstiger als E5. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sparen Sie somit 2 bis 3 Euro. Dieser Preisvorteil kompensiert den minimalen Mehrverbrauch von rund 1 Prozent in den meisten Fällen deutlich. Wenn Sie beispielsweise 50 Liter tanken und E10 5 Cent günstiger ist, sparen Sie 2,50 Euro, während der Mehrverbrauch von 1% (0,5 Liter) bei einem angenommenen Benzinpreis von 1,80 €/Liter nur etwa 0,90 € ausmacht.
Grüner tanken? Die Umweltbilanz von E5 und E10
Der CO2-Vorteil: Wie Bioethanol zur Klimabilanz beiträgt
Die Beimischung von Bioethanol in Kraftstoffen wie E10 soll dazu beitragen, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Die Idee dahinter ist, dass die Pflanzen, aus denen das Ethanol gewonnen wird wie z. B. Zuckerrüben oder Getreide während ihres Wachstums CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Dieses CO2 wird dann bei der Verbrennung des Ethanols wieder freigesetzt, was theoretisch zu einer Netto-Reduzierung der klimaschädlichen Gase führt, verglichen mit rein fossilem Benzin.
Die Kehrseite der Medaille: Die "Tank-statt-Teller"-Kontroverse
Die Umweltbilanz von Bioethanol ist jedoch nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass für den Anbau von Energiepflanzen wertvolle Agrarflächen genutzt werden, die sonst für den Nahrungsmittelanbau zur Verfügung stünden die sogenannte "Tank-statt-Teller"-Debatte. Hinzu kommen der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die Belastung von Böden und Gewässern sowie der Energieaufwand für die Herstellung und den Transport des Ethanols. Diese Faktoren können die vermeintlichen CO2-Einsparungen erheblich schmälern.
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Die Entscheidungshilfe: E5 oder E10 was ist die beste Wahl?
Für Preisbewusste mit modernen Autos: Warum E10 meist die klügere Wahl ist
Wenn Ihr Fahrzeug laut Hersteller für E10 freigegeben ist, dann ist E10 oft die wirtschaftlichere Wahl. Der spürbare Preisvorteil an der Tankstelle überwiegt in der Regel den minimalen Mehrverbrauch. Sie sparen Geld, ohne dabei Leistungseinbußen oder Risiken für Ihr Fahrzeug in Kauf nehmen zu müssen. Es ist ein einfacher Schritt, um bei jeder Tankfüllung Kosten zu senken.
Für Besitzer von Oldtimern und nicht freigegebenen Modellen: Warum Sie bei E5 bleiben müssen
Für alle, deren Fahrzeug nicht für E10 freigegeben ist dazu zählen viele ältere Modelle, aber auch einige neuere Fahrzeuge mit spezifischen Motorkonstruktionen ist die Fortführung der Nutzung von E5 (oder höherwertigen Kraftstoffen wie Super Plus, die oft auch E5 sind) unerlässlich. Die Vermeidung von Motorschäden durch Korrosion an Aluminiumteilen oder Schäden an Dichtungen und Schläuchen hat hier absolute Priorität. Die Kosten für Reparaturen wären um ein Vielfaches höher als die potenziellen Einsparungen durch E10.
Sonderfall Premium-Kraftstoff: Wann sich Super Plus oder Ultimate 102 lohnen könnten
Neben E5 und E10 gibt es noch Premium-Kraftstoffe wie Aral Ultimate 102 oder Shell V-Power Racing 100. Diese sind in der Regel E5-Kraftstoffe und verzichten oft sogar gänzlich auf Bioethanol, stattdessen setzen sie auf spezielle Additive. Sie bieten eine höhere Oktanzahl, was bei einigen Hochleistungsmotoren oder Motoren mit hoher Verdichtung von Vorteil sein kann, um Klopfen zu verhindern und die volle Leistung abzurufen. Zudem werben die Anbieter mit reinigenden Eigenschaften, die Ablagerungen im Motor reduzieren und die Effizienz steigern sollen. Für den Otto-Normalverbraucher mit einem durchschnittlichen Fahrzeug sind die Vorteile im Alltag jedoch meist marginal und der höhere Preis rechtfertigt sich selten rein aus Kostengründen.
