Die richtige Pflege Ihres Motors ist entscheidend für seine Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Ein oft unterschätzter, aber fundamental wichtiger Aspekt dabei ist die regelmäßige Kontrolle und das gegebenenfalls notwendige Nachfüllen von Motoröl. Motoröl ist das Lebenselixier Ihres Aggregats es schmiert, kühlt, reinigt und schützt vor Korrosion. Ein Mangel kann schnell zu kostspieligen Schäden führen. Doch keine Sorge, mit der richtigen Anleitung ist das Nachfüllen von Motoröl keine Hexerei. Ich teile hier meine Erfahrungen und gebe Ihnen eine klare Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit Sie diese Aufgabe sicher und korrekt meistern können.
Lesen Sie auch: VW Golf Motoröl: Die richtige Wahl treffen Normen & Modelle
Motoröl richtig nachfüllen So schützen Sie Ihren Motor vor Schäden.
- Prüfen Sie den Ölstand stets auf einer ebenen Fläche, bei betriebswarmem, aber seit mindestens 5 Minuten abgestelltem Motor.
- Der Ölstand sollte immer zwischen den MIN- und MAX-Markierungen des Messstabs liegen.
- Verwenden Sie ausschließlich das vom Fahrzeughersteller im Handbuch empfohlene Motoröl.
- Füllen Sie das Öl langsam und in kleinen Mengen nach und prüfen Sie den Stand regelmäßig, um ein Überfüllen zu vermeiden.
- Zu viel Motoröl ist gefährlicher als zu wenig und kann schwere Motorschäden verursachen.
- Das Nachfüllen ersetzt nicht den vorgeschriebenen, regelmäßigen Ölwechsel.
Warum der Ölstand für Ihren Motor so wichtig ist
Motoröl ist weit mehr als nur ein Schmiermittel. Es ist ein multifunktionales Medium, das entscheidend zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihres Motors beiträgt. Es bildet einen schützenden Film zwischen den beweglichen Metallteilen, reduziert so die Reibung und den Verschleiß erheblich. Gleichzeitig nimmt es Wärme auf und transportiert sie ab, was einer Überhitzung vorbeugt. Darüber hinaus spült es Ablagerungen und kleinste Metallpartikel fort, die durch den normalen Verschleiß entstehen, und hält so den Motor sauber. Nicht zuletzt schützt es vor Korrosion. Ein korrekter Ölstand, stets zwischen der MIN- und MAX-Markierung auf dem Messstab, ist daher unerlässlich. Sinkt der Ölstand zu weit ab, kann die Schmierung unzureichend werden. Dies kann sich durch Warnsignale wie die Aufleuchten der Öldruckkontrollleuchte im Armaturenbrett oder durch ungewöhnliche, klappernde Geräusche aus dem Motorraum bemerkbar machen. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Nachfüllen von Öl eine temporäre Maßnahme ist, um einen Mangel auszugleichen. Es ersetzt keinesfalls den regelmäßigen, vom Hersteller vorgeschriebenen Ölwechsel, bei dem das Öl komplett ausgetauscht und der Ölfilter erneuert wird.

Ölstand richtig prüfen: Eine Anleitung für präzise Ergebnisse
Die genaue Bestimmung des Motorölstands ist der erste und wichtigste Schritt, bevor Sie überhaupt ans Nachfüllen denken. Hier ist Präzision gefragt, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Befolgen Sie diese Schritte sorgfältig:
-
Vorbereitung des Fahrzeugs: Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrzeug auf einer ebenen Fläche parkt. Unebenheiten verfälschen das Messergebnis erheblich. Lassen Sie den Motor kurz auf Betriebstemperatur laufen, aber schalten Sie ihn danach ab und warten Sie mindestens 5 Minuten. Diese Wartezeit ist wichtig, damit das Öl vollständig aus den oberen Motorbereichen in die Ölwanne zurückfließen kann. Nur so erhalten Sie eine korrekte Messung.
-
Handhabung des Messstabs: Lokalisieren Sie den Ölmessstab im Motorraum. Er ist meist mit einem leuchtend gelben oder orangen Griff gekennzeichnet, oft mit einem Ölkanne-Symbol. Ziehen Sie den Messstab vollständig heraus. Nehmen Sie ein sauberes, fusselfreies Tuch und wischen Sie den Messstab komplett sauber. Führen Sie den gereinigten Messstab anschließend wieder vollständig in seine Führung ein.
-
Ablesen des Füllstands: Ziehen Sie den Messstab erneut heraus und halten Sie ihn waagerecht. Nun können Sie den Ölstand ablesen. Achten Sie auf die Markierungen am unteren Ende des Messstabs. In der Regel gibt es eine MIN- und eine MAX-Markierung. Idealerweise sollte der Ölstand sich irgendwo dazwischen befinden. Liegt der Stand nahe der MIN-Markierung oder sogar darunter, ist es Zeit zum Nachfüllen.
Wenn der Ölstand sich der MIN-Markierung nähert, ist dies ein klares Signal, dass Sie Öl nachfüllen müssen. Ignorieren Sie dieses Zeichen nicht, denn ein zu geringer Ölstand kann den Motor ernsthaft beschädigen.
Das passende Motoröl wählen: So finden Sie die richtige Sorte
Die Auswahl des richtigen Motoröls ist von entscheidender Bedeutung und keine Angelegenheit, bei der man auf gut Glück handeln sollte. Das Fahrzeughandbuch ist hierbei Ihr wichtigster Ratgeber. Es enthält die exakten Spezifikationen, die Ihr Motor benötigt. Die wichtigste Kennzeichnung ist die Viskositätsklasse, oft als Zahlenkombination wie 5W-30 oder 0W-40 angegeben. Die erste Zahl mit dem "W" (Winter) gibt an, wie flüssig das Öl bei kalten Temperaturen ist, die zweite Zahl beschreibt die Viskosität bei warmem Motor. Daneben sind spezifische Herstellerfreigaben oder Normen wie ACEA C3 oder VW 507 00 entscheidend. Diese stellen sicher, dass das Öl die besonderen Anforderungen Ihres Motortyps erfüllt, beispielsweise in Bezug auf Partikelfilter oder Abgasnachbehandlungssysteme. Wenn Sie unsicher sind, welches Öl sich bereits in Ihrem Motor befindet, oder wenn Sie das Handbuch nicht zur Hand haben, ist es am sichersten, sich an die Vorgaben des Fahrzeugherstellers zu halten. Im Zweifelsfall kann eine Werkstatt weiterhelfen. Die Verwendung des exakt vorgeschriebenen Öls schützt Ihren Motor vor erhöhtem Verschleiß und bewahrt die Garantieansprüche.
Die Zahlen und Buchstaben auf der Ölverpackung sind nicht zufällig gewählt:
- Viskosität (z.B. 5W-30): Die erste Zahl (mit W) gibt die Kaltviskosität an, die zweite die Warmviskosität.
- Spezifikationen/Freigaben (z.B. ACEA C3, API SN, VW 507 00): Diese Codes bestätigen, dass das Öl die Leistungsklassen und spezifischen Anforderungen des Fahrzeugherstellers erfüllt.
Motoröl sicher nachfüllen: Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nachdem Sie den Ölstand geprüft und das passende Öl besorgt haben, ist es nun an der Zeit, das Öl tatsächlich nachzufüllen. Gehen Sie dabei methodisch vor, um alles richtig zu machen:
-
Öleinfülldeckel lokalisieren und öffnen: Öffnen Sie die Motorhaube und suchen Sie den Öleinfülldeckel. Er ist in der Regel mit einem deutlichen Ölkanne-Symbol gekennzeichnet und oft farblich hervorgehoben (z.B. schwarz, blau oder gelb). Schrauben Sie diesen Deckel ab.
-
Motoröl langsam einfüllen: Nun füllen Sie das Motoröl ein. Wichtig ist hierbei: Langsam und in kleinen Mengen! Beginnen Sie mit etwa 250 ml. Vermeiden Sie es, den gesamten benötigten Liter auf einmal hineinzuschütten. Dies erleichtert die Kontrolle und verhindert ein Überfüllen.
-
Zwischenkontrolle des Ölstands: Nach jeder kleineren Menge Öl, die Sie eingefüllt haben, lassen Sie das Öl kurz (ca. 1-2 Minuten) in die Ölwanne laufen. Ziehen Sie anschließend erneut den Messstab, wischen Sie ihn ab, führen Sie ihn wieder ein und ziehen Sie ihn zur Kontrolle heraus. So sehen Sie genau, wie sich der Ölstand verändert und ob Sie sich der MAX-Markierung nähern.
-
Erneutes Nachfüllen bei Bedarf: Fahren Sie mit dem schrittweisen Nachfüllen und den Kontrollen fort, bis der Ölstand im optimalen Bereich liegt, also zwischen MIN und MAX, aber idealerweise nicht über der MAX-Markierung. Es ist besser, ein zweites Mal nachzufüllen, als einmal zu viel einzufüllen.
-
Deckel verschließen und reinigen: Sobald der Ölstand korrekt ist, schrauben Sie den Öleinfülldeckel wieder fest zu. Achten Sie darauf, dass er richtig sitzt. Wischen Sie eventuell verschüttetes Öl im Motorraum sofort mit einem Tuch weg, um spätere Probleme zu vermeiden.
Nachdem Sie fertig sind, schließen Sie die Motorhaube und starten Sie den Motor für einen kurzen Moment. Die Öldruckkontrollleuchte sollte erlöschen. Stellen Sie den Motor erneut ab und warten Sie wieder einige Minuten, um den Ölstand ein letztes Mal zu überprüfen und sicherzustellen, dass alles im grünen Bereich ist.
Häufige Fehler beim Öl nachfüllen und wie Sie Motorschäden vermeiden
Beim Nachfüllen von Motoröl können leider einige Fehler passieren, die gravierende Folgen für Ihren Motor haben können. Hier sind die kritischsten Fallstricke:
- Zu viel Motoröl eingefüllt: Dies ist der wohl gefährlichste Fehler. Wenn der Ölstand über die MAX-Markierung hinausgeht, kann die Kurbelwelle im Motorraum mit dem Öl in Kontakt kommen. Das führt zu starker Schaumbildung. Dieses Öl-Luft-Gemisch schmiert die Motorteile nicht mehr ausreichend, was zu einem Abriss des Schmierfilms führen kann. Die Folge kann ein kapitaler Motorschaden sein, beispielsweise ein Kolbenfresser. Außerdem kann überschüssiges Öl durch die Kurbelgehäuseentlüftung in den Ansaugtrakt oder über die Kolbenringe in die Brennräume gelangen. Dort verbrennt es, was zu blauen Rauchfahnen führt und den Katalysator nachhaltig schädigen kann. Auch Dichtungen können durch den erhöhten Druck und die aggressive Wirkung des Öls Schaden nehmen.
- Verwendung des falschen Motoröls: Jedes Auto hat spezifische Anforderungen an das Motoröl. Verwendet man ein Öl mit falscher Viskosität oder ohne die erforderlichen Herstellerfreigaben, kann dies zu erhöhtem Verschleiß an kritischen Motorkomponenten führen. Ölkanäle können verstopfen, und die Schmierung ist nicht mehr optimal gewährleistet. Im schlimmsten Fall kann dies zum Erlöschen der Herstellergarantie führen.
-
Nachfüllen bei laufendem Motor: Es mag banal klingen, aber es ist essenziell: Der Motor muss immer abgestellt sein, wenn Sie Öl nachfüllen. Bei laufendem Motor zirkuliert das Öl im System, und eine genaue Messung ist unmöglich. Zudem besteht bei einem offenen Einfüllstutzen die Gefahr, dass Fremdkörper in den laufenden Motor gelangen.
-
Verschmutzungen im Motorraum: Achten Sie beim Öffnen des Öleinfülldeckels darauf, dass kein Schmutz, Laub oder andere Fremdkörper in die Öffnung fallen können. Diese Partikel gelangen direkt in den Motor und können dort erheblichen Schaden anrichten.
Seien Sie also stets sorgfältig und nehmen Sie sich die nötige Zeit. Ein paar Minuten mehr investiert in die korrekte Durchführung sparen Ihnen potenziell Tausende von Euros an Reparaturkosten.
