Die Suche nach nachhaltigen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen wird immer wichtiger. HVO-Kraftstoff, oft als "Öko-Diesel" bezeichnet, rückt dabei zunehmend in den Fokus. Wenn Sie sich fragen, was genau HVO ist, wie er hergestellt wird, welche Vorteile er bietet und ob Ihr Fahrzeug damit kompatibel ist, dann sind Sie hier genau richtig. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften, die Umweltbilanz und die praktische Anwendung von HVO und hilft Ihnen dabei, eine fundierte Entscheidung über diese vielversprechende Dieselalternative zu treffen.
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HVO-Kraftstoff: Die paraffinische Dieselalternative für bis zu 90 % weniger CO2
- HVO (Hydrotreated Vegetable Oils) ist ein synthetischer Dieselkraftstoff, der aus hydrierten Pflanzenölen oder tierischen Fetten hergestellt wird und chemisch nahezu identisch mit fossilem Diesel ist.
- Er kann die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Diesel um bis zu 90 % senken und verbrennt sauberer, was zu weniger Partikeln und Stickoxiden führt.
- HVO bietet technische Vorteile wie eine hohe Cetanzahl (über 70), hervorragende Kältestabilität (bis -22 °C) und eine lange Lagerfähigkeit ohne "Dieselpest".
- Die Kompatibilität mit einem Dieselfahrzeug muss durch eine offizielle Herstellerfreigabe geprüft werden (oft erkennbar am "XTL"-Symbol im Tankdeckel), um Garantieansprüche zu erhalten.
- Seit Frühjahr 2024 ist der Verkauf von reinem HVO100 an öffentlichen Tankstellen in Deutschland erlaubt, das Tankstellennetz befindet sich jedoch noch im Aufbau.
- Aktuell ist HVO100 etwa 15 bis 20 Cent pro Liter teurer als herkömmlicher B7-Diesel.

HVO-Kraftstoff: Was steckt hinter dem „Öko-Diesel“?
Mehr als nur Pflanzenöl: Die Definition von HVO einfach erklärt
HVO, das steht für "Hydrotreated Vegetable Oils", ist ein paraffinischer Dieselkraftstoff, der durch einen speziellen Prozess namens hydrierende Behandlung aus pflanzlichen Ölen oder tierischen Fetten gewonnen wird. Wenn wir von HVO100 sprechen, meinen wir den Kraftstoff in seiner reinen Form, also zu 100 % bestehend aus erneuerbaren Rohstoffen. Das Besondere an HVO ist seine chemische Zusammensetzung: Sie ist fossilem Diesel nahezu identisch. Dies macht ihn zu einem hochwertigen Kraftstoff, der die strenge Norm DIN EN 15940 für paraffinische Dieselkraftstoffe erfüllt. Seit Frühjahr 2024 ist der Verkauf von HVO100 als Reinkraftstoff an öffentlichen Tankstellen in Deutschland offiziell erlaubt, was einen wichtigen Schritt für die Verbreitung dieser nachhaltigen Alternative darstellt.
Von der Fritteuse zum Tank: Wie wird HVO hergestellt?
Der Herstellungsprozess von HVO unterscheidet sich maßgeblich von dem herkömmlichen Biodiesel (FAME). Bei HVO werden die pflanzlichen Öle oder tierischen Fette unter Zugabe von Wasserstoff und mithilfe eines Katalysators hydriert. Dieser Prozess entfernt den Sauerstoff aus den Fettsäuren und wandelt sie in Kohlenwasserstoffe um. Das Ergebnis ist ein Kraftstoff, der chemisch stabiler und reiner ist als herkömmlicher Biodiesel. Diese hydrierende Behandlung ist der Schlüssel zu den verbesserten Eigenschaften von HVO.
HVO vs. normaler Diesel vs. Biodiesel: Wo liegen die entscheidenden Unterschiede?
| Merkmal | HVO100 | B7-Diesel | Biodiesel (FAME) |
|---|---|---|---|
| Chemische Zusammensetzung | Paraffinisch (Kohlenwasserstoffe) | Aromatisch und aliphatisch | Fettsäuremethylester (FAME) |
| Kompatibilität mit Motoren | Sehr hoch (oft ohne Umrüstung) | Standard | Eingeschränkt (kann Dichtungen angreifen, Additive notwendig) |
| CO2-Reduktion (Well-to-Wheel) | Bis zu 90 % | Referenzwert | Ca. 40-70 % (je nach Rohstoff) |
| Cetanzahl | > 70 | ca. 54 | ca. 50-55 |
| Kältestabilität | Bis -22 °C | Abhängig von Additiven | Schlechter als HVO, kann bei Kälte ausfallen |
| Lagerfähigkeit | Sehr gut, keine "Dieselpest" | Begrenzt durch Oxidation | Begrenzt, anfällig für Oxidation und "Dieselpest" |

HVO tanken: Ist Ihr Dieselmotor kompatibel?
Das XTL-Symbol im Tankdeckel: Der erste und wichtigste Hinweis
Wenn Sie überlegen, HVO zu tanken, ist das XTL-Symbol in Ihrem Tankdeckel der wichtigste erste Hinweis. XTL steht für "X-to-Liquid" und kennzeichnet Kraftstoffe, die nicht aus Erdöl gewonnen werden, wie eben HVO. Das Vorhandensein dieses Symbols signalisiert, dass Ihr Fahrzeug für paraffinische Dieselkraftstoffe freigegeben ist. Es ist ein klares Indiz dafür, dass der Hersteller die Verwendung solcher Kraftstoffe in diesem spezifischen Modell erlaubt.
Herstellerfreigaben im Überblick: Welche Marken sind bereits an Bord?
Glücklicherweise haben viele namhafte Fahrzeughersteller bereits Freigaben für HVO erteilt. Dazu gehören unter anderem Audi, VW, BMW, Mercedes-Benz, Volvo und Scania. Dennoch ist es unerlässlich, die individuelle Freigabe für Ihr spezifisches Fahrzeug zu prüfen. Dies können Sie in der Regel anhand Ihrer Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) beim Hersteller oder einer autorisierten Werkstatt erfahren. Nur mit einer offiziellen Freigabe sind Ihre Garantie- und Gewährleistungsansprüche abgesichert.
Was passiert, wenn keine Freigabe vorliegt? Ein Blick auf die Risiken
Das Tanken von HVO ohne eine explizite Herstellerfreigabe birgt Risiken, die Sie nicht unterschätzen sollten. Das gravierendste Problem ist der potenzielle Verlust Ihrer Garantie- und Gewährleistungsansprüche. Sollte es nach dem Tanken von HVO zu Motorschäden oder anderen technischen Problemen kommen, wird der Hersteller die Kostenübernahme wahrscheinlich ablehnen, da der Kraftstoff nicht den Herstellervorgaben entsprach. Es ist daher ratsam, auf Nummer sicher zu gehen und die Kompatibilität vor dem ersten Tanken zu klären.
HVO100: Bis zu 90 % CO2-Ersparnis und weitere Umweltvorteile
Klimaschutz auf der Überholspur: Wie die CO2-Reduktion zustande kommt
Einer der überzeugendsten Vorteile von HVO100 ist seine beeindruckende CO2-Reduktion. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zur Verbrennung (Well-to-Wheel) kann HVO100 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichem fossilem Diesel um bis zu 90 % senken. Diese signifikante Reduzierung trägt maßgeblich zur Erreichung von Klimazielen im Verkehrssektor bei.
Sauberere Verbrennung: Weniger Ruß und Stickoxide für eine bessere Luftqualität?
Neben der CO2-Reduktion bietet HVO auch Vorteile für die lokale Luftqualität. Die Verbrennung von HVO ist in der Regel sauberer als die von fossilem Diesel. Dies kann zu einer spürbaren Reduzierung von schädlichen Emissionen wie Rußpartikeln, Stickoxiden (NOx) und Kohlenmonoxid (CO) führen. Weniger Partikel in der Luft bedeuten eine gesündere Umgebung, insbesondere in städtischen Gebieten.
Die Rohstoff-Frage: Wie nachhaltig ist HVO wirklich?
Die Nachhaltigkeit von HVO wird oft im Zusammenhang mit der "Tank-oder-Teller-Debatte" diskutiert. Kritiker bemängeln, dass die Produktion von HVO mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren könnte. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass zertifiziertes HVO in der Europäischen Union nicht aus Palmöl hergestellt werden darf, das zur Abholzung von Regenwäldern beiträgt. Stattdessen werden häufig Abfallprodukte wie Altspeisefette oder tierische Fette verwendet, was die Nachhaltigkeit des Kraftstoffs deutlich erhöht.
Technische Vorteile: So verbessert HVO Ihr Fahrerlebnis
Die hohe Cetanzahl: Warum Ihr Motor mit HVO ruhiger läuft
HVO punktet mit einer beeindruckend hohen Cetanzahl von über 70. Zum Vergleich: Herkömmlicher B7-Diesel liegt hier bei etwa 54. Eine höhere Cetanzahl bedeutet eine schnellere und effizientere Selbstzündung des Kraftstoffs im Motor. Das Ergebnis? Eine ruhigere und gleichmäßigere Verbrennung, was sich in einem angenehmeren Motorlauf bemerkbar macht. Auch das Kaltstartverhalten des Motors wird durch die hohe Cetanzahl positiv beeinflusst.
Keine Angst vor dem Winter: Die überlegene Kältestabilität von HVO
Wer kennt es nicht: Bei eisigen Temperaturen kann Dieselkraftstoff an seine Grenzen stoßen. HVO zeigt hier seine Stärke. Mit einer hervorragenden Kältestabilität, die bis zu -22 °C reicht, ist HVO auch im tiefsten Winter eine zuverlässige Option. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass der Kraftstoff im Tank ausflockt und Ihren Motor lahmlegt.
Lagerung ohne "Dieselpest": Ein Segen für Wenigfahrer und Oldtimer
Ein weiteres technisches Plus von HVO ist seine hohe Lagerstabilität. Im Gegensatz zu herkömmlichem Diesel oder Biodiesel altert HVO kaum und zieht kein Wasser an. Das bedeutet, die gefürchtete "Dieselpest" eine Verunreinigung des Kraftstoffs durch Mikroorganismen wird effektiv vermieden. Das ist besonders vorteilhaft für Wenigfahrer, deren Fahrzeug oft längere Zeit steht, sowie für Besitzer von Oldtimern, bei denen eine einwandfreie Kraftstoffqualität entscheidend ist.

HVO100: Kosten und Verfügbarkeit im Überblick
Der Preis an der Zapfsäule: Wie viel teurer ist HVO100 im Vergleich zu B7-Diesel?
Derzeit ist HVO100 noch etwas teurer als herkömmlicher B7-Diesel. Rechnen Sie mit einem Preisaufschlag von etwa 15 bis 20 Cent pro Liter. Dieser Unterschied spiegelt die aufwendigere Herstellung und die noch geringere Verbreitung im Vergleich zum etablierten fossilen Diesel wider.
Das wachsende Tankstellennetz in Deutschland: Wo Sie HVO bereits finden
Das Tankstellennetz für HVO100 in Deutschland befindet sich noch im Aufbau, aber die Entwicklung ist positiv. Bis Ende 2025 wird mit mehreren hundert öffentlichen Tankstellen gerechnet, die HVO100 anbieten. Große Anbieter wie TotalEnergies und Shell bauen ihr Netz kontinuierlich aus, und auch immer mehr mittelständische Tankstellenbetreiber nehmen HVO in ihr Sortiment auf. Eine genaue Übersicht über die Standorte finden Sie online auf den Webseiten der Anbieter oder spezialisierten Portalen.
Lohnt sich der Aufpreis? Eine Kosten-Nutzen-Rechnung für Autofahrer
Ob sich der Aufpreis für HVO100 lohnt, hängt von Ihren individuellen Prioritäten ab. Die ökologischen und technischen Vorteile sind unbestreitbar: Sie leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, genießen eine sauberere Verbrennung und profitieren von einer besseren Kältestabilität und Lagerfähigkeit. Dem gegenüber stehen höhere Kosten und eine noch nicht flächendeckende Verfügbarkeit. Für umweltbewusste Fahrer, die die Vorteile schätzen und die Infrastruktur in ihrer Nähe haben, kann sich der Umstieg bereits heute lohnen. Auch für Flottenbetreiber, die ihre CO2-Bilanz verbessern wollen, ist HVO eine attraktive Option.
HVO: Kraftstoff der Zukunft oder Übergangslösung?
Für wen sich der Umstieg auf HVO schon heute rechnet
Für bestimmte Zielgruppen rechnet sich der Umstieg auf HVO bereits heute. Dazu gehören vor allem Flottenbetreiber, die ihre CO2-Emissionen signifikant senken müssen und dies mit einer relativ unkomplizierten Lösung tun können. Aber auch umweltbewusste Privatfahrer mit einem Fahrzeug, das eine offizielle Herstellerfreigabe besitzt, können von den Vorteilen profitieren. Vielfahrer, die Wert auf einen ruhigeren Motorlauf und eine bessere Kältestabilität legen, werden ebenfalls die technischen Vorzüge zu schätzen wissen.
Ein Blick nach vorn: Die Rolle von HVO im Mix der Antriebsarten
HVO spielt eine wichtige Rolle in der Strategie zur Reduzierung von CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Ob es sich dabei um eine reine Übergangslösung handelt, die den Weg ebnet für rein elektrische oder Wasserstoff-Antriebe, oder ob HVO langfristig als eine von mehreren nachhaltigen Kraftstoffoptionen bestehen bleibt, wird die Zukunft zeigen. Angesichts seiner technischen Vorteile und der Möglichkeit, bestehende Fahrzeugflotten klimafreundlicher zu machen, ist HVO jedoch definitiv ein wichtiger Baustein im Mobilitätsmix von morgen.
