Die richtige Lagerung Ihrer Reifen ist weit mehr als nur eine Frage des Platzes. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Sicherheit auf der Straße und die Lebensdauer Ihrer Pneus. Wenn Sie Ihre Sommer- oder Winterreifen falsch lagern, riskieren Sie nicht nur teure Schäden, sondern beeinträchtigen auch die Performance und Sicherheit Ihres Fahrzeugs. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie Ihre Reifen optimal lagern egal ob zu Hause oder beim Profi und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.
Warum die richtige Reifenlagerung so wichtig ist
Man denkt oft nur an den Platz, den die Reifen wegnehmen, wenn sie gerade nicht im Einsatz sind. Doch die Lagerung hat direkte Auswirkungen auf die Gummimischung und die Struktur des Reifens. Eine unsachgemäße Lagerung kann dazu führen, dass sich Reifen verformen, Risse im Gummi entstehen oder das Material vorzeitig altert. Das Ergebnis sind nicht nur optische Mängel, sondern vor allem eine reduzierte Leistungsfähigkeit und im schlimmsten Fall eine Gefährdung Ihrer Fahrsicherheit. Der ADAC empfiehlt beispielsweise, Sommerreifen bei einer Profiltiefe von 3 mm und Winterreifen bei 4 mm auszutauschen, da die Haftungseigenschaften dann stark nachlassen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Unabhängig von der Nutzung sollten Reifen nicht älter als acht bis zehn Jahre sein, da das Gummi mit der Zeit spröde wird und seine Elastizität verliert.
Deshalb ist es so wichtig, sich mit der korrekten Lagerung auseinanderzusetzen. Ob Sie sich für die Selbsteinlagerung entscheiden oder einen professionellen Service in Anspruch nehmen, eine gute Vorbereitung und die Wahl des richtigen Ortes sind essenziell, um die Lebensdauer Ihrer Reifen zu maximieren und stets sicher unterwegs zu sein.
Die Vorbereitung: So machen Sie Ihre Reifen winter- oder sommertauglich
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Schritt 1: Gründliche Reinigung von Reifen und Felgen
Bevor die Reifen in die "Winter- oder Sommerpause" gehen, sollten sie gründlich gereinigt werden. Entfernen Sie Schmutz, Bremsstaub, kleine Steinchen aus dem Profil und jegliche Rückstände von der Felge. Ein einfacher Gartenschlauch und eine Bürste reichen oft aus. Wichtig ist, dass die Reifen anschließend vollständig trocknen können. Feuchtigkeit kann auf Dauer zu Korrosion an den Felgen führen und das Gummi angreifen.
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Schritt 2: Überprüfung auf Schäden und Restprofiltiefe
Nutzen Sie die Reinigung, um Ihre Reifen genau zu inspizieren. Achten Sie auf Schnitte, Risse, Beulen oder eingedrungene Fremdkörper. Überprüfen Sie die Profiltiefe wie erwähnt, ist diese entscheidend für die Sicherheit. Lesen Sie auch die DOT-Nummer auf der Reifenflanke ab, um das Herstellungsdatum zu ermitteln. Ist ein Reifen älter als acht Jahre oder weist er starke Abnutzungserscheinungen auf, ist es Zeit für einen Austausch, unabhängig davon, wie gut er gelagert wurde.
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Schritt 3: Korrekten Luftdruck einstellen (Der 0,5-bar-Trick)
Ein wichtiger Tipp, um Standplatten zu vermeiden: Erhöhen Sie den Luftdruck in den Reifen um etwa 0,5 bar über den vom Hersteller empfohlenen Wert. Dies hilft, die Verformung des Reifens während der langen Standzeit zu minimieren. Überprüfen Sie den Druck vor der Einlagerung und stellen Sie ihn entsprechend ein.
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Schritt 4: Räder eindeutig markieren für die nächste Saison
Damit Sie in der nächsten Saison nicht durcheinanderkommen, ist es ratsam, die Räder zu markieren. Eine einfache Markierung wie "VR" (vorne rechts), "VL" (vorne links), "HR" (hinten rechts) und "HL" (hinten links) hilft Ihnen, die Räder wieder an ihrer ursprünglichen Position zu montieren. Das sorgt für einen gleichmäßigeren Verschleiß, besonders wenn Ihre Reifen nicht symmetrisch abgefahren sind.

Kompletträder oder nur Reifen? Die richtige Lagerposition macht den Unterschied
Ob Sie Ihre Reifen mit oder ohne Felgen lagern, hat entscheidende Auswirkungen auf die richtige Positionierung. Hier gibt es klare Regeln, um Schäden zu vermeiden.
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Reifen auf Felgen lagern: Stapeln, Hängen oder Felgenbaum?
Kompletträder, also Reifen, die bereits auf den Felgen montiert sind, sollten nicht einfach senkrecht stehend gelagert werden. Die beste Methode ist, sie waagerecht zu stapeln. Stapeln Sie nicht mehr als vier Kompletträder übereinander, um die unteren Reifen nicht zu überlasten. Alternativ können Sie spezielle Wandhalterungen oder einen Felgenbaum verwenden, auf dem die Räder ebenfalls waagerecht gelagert werden. So wird verhindert, dass sich Standplatten bilden. -
Reifen ohne Felgen lagern: Warum Stehen hier Gold wert ist
Reifen, die ohne Felgen gelagert werden, müssen senkrecht stehen. Legen Sie sie niemals flach oder stapeln Sie sie, da dies zu Verformungen führen kann. Wichtig ist hierbei, dass Sie die Reifen alle paar Wochen (etwa alle vier Wochen) leicht drehen. So verteilen Sie den Druck gleichmäßig und verhindern, dass sich an einer Stelle eine dauerhafte Verformung oder Standplatte bildet.
Den perfekten Ort für Ihre Reifen finden: So bleiben sie fit
Der Lagerort ist ebenso wichtig wie die richtige Positionierung. Hier sind die wichtigsten Kriterien:
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Dunkel, kühl, trocken: Die drei goldenen Regeln des Lagerorts
Der ideale Lagerort für Ihre Reifen ist dunkel, kühl und trocken. Das bedeutet: keine direkte Sonneneinstrahlung, eine möglichst konstante Temperatur (idealerweise unter 25 Grad Celsius) und geringe Luftfeuchtigkeit. Licht, insbesondere UV-Strahlung, lässt das Gummi spröde werden. Extreme Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit können ebenfalls Materialschäden verursachen. Achten Sie darauf, dass der Lagerbereich sauber ist. -
Welche Orte tabu sind: Heizungskeller, Balkon und Co.
Vermeiden Sie unbedingt Orte, die diesen Bedingungen widersprechen. Dazu gehören:- Direkt unter Sonneneinstrahlung (z. B. auf dem Balkon oder an einem Fenster).
- In der Nähe von Wärmequellen wie Heizkörpern oder Öfen.
- In feuchten Umgebungen wie schlecht belüfteten Kellerräumen oder direkt neben Waschmaschinen.
- In der Nähe von Ölen, Fetten, Lösungsmitteln, Kraftstoffen oder anderen Chemikalien. Diese Substanzen können das Gummi angreifen und die Reifenstruktur beschädigen.
Die Garage oder der Keller sind oft die besten privaten Lageroptionen, sofern sie die genannten Kriterien erfüllen. Eine Garage, die nicht als Werkstatt genutzt wird und frei von Chemikalien ist, ist meist ideal. Ein trockener, kühler und dunkler Kellerraum eignet sich ebenfalls gut. Achten Sie aber darauf, dass die Reifen nicht auf einem feuchten Betonboden liegen, sondern eventuell auf einer kleinen Unterlage.
Do-it-yourself vs. Räderhotel: Wann sich der Profi wirklich lohnt
Sie haben die Wahl: Lagern Sie Ihre Reifen selbst oder überlassen Sie diese Aufgabe einem Profi? Hier ein Vergleich:
| Aspekt | Selbsteinlagerung | Räderhotel |
|---|---|---|
| Kosten pro Saison | 0 € (exkl. Zubehör wie Reifenbeutel) | 40 € - 100 € (je nach Region/Anbieter) |
| Benötigter Platz | Eigener Keller oder Garage erforderlich | Kein eigener Platz nötig |
| Aufwand (Reinigung, Kontrolle) | Hoch (muss selbst gemacht werden) | Gering (wird vom Profi übernommen) |
| Inkludierte Leistungen | Keine | Oft Reinigung, Wuchten, Versicherung gegen Diebstahl/Beschädigung |
Für wen lohnt sich nun die professionelle Einlagerung? Wenn Sie keinen geeigneten Lagerplatz zu Hause haben, wenig Zeit für die Vorbereitung und Kontrolle aufwenden möchten oder einfach den Komfort schätzen, ist ein Räderhotel eine ausgezeichnete Wahl. Werkstätten und Reifenhändler bieten diesen Service oft als Teil der saisonalen Reifenwechsel-Pakete an. Sie können sicher sein, dass Ihre Reifen unter optimalen Bedingungen gelagert und bei Bedarf professionell geprüft werden.
Die häufigsten Fehler bei der Reifenlagerung und wie Sie sie vermeiden
Auch bei der vermeintlich einfachen Selbsteinlagerung schleichen sich oft Fehler ein. Hier sind die Top 5:
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Falsche Positionierung und die Folgen (Standplatten)
Fehler: Kompletträder werden senkrecht gelagert, oder Reifen ohne Felgen liegen flach.
Folge: Es bilden sich Standplatten, die zu Unwucht und Vibrationen führen.
Tipp: Kompletträder stapeln oder aufhängen, Reifen ohne Felgen senkrecht lagern und drehen. -
Kontakt mit gefährlichen Substanzen (Öl, Lösungsmittel)
Fehler: Reifen lagern neben Chemikalien, Ölen oder Kraftstoffen.
Folge: Das Gummi wird angegriffen, verliert an Elastizität und kann brüchig werden.
Tipp: Lagern Sie Reifen nur in einem sauberen, chemikalienfreien Bereich. -
Ignorieren von UV-Licht und extremen Temperaturen
Fehler: Reifen liegen im Freien, an Fenstern oder neben Heizkörpern.
Folge: UV-Strahlung und starke Temperaturschwankungen beschleunigen die Materialalterung.
Tipp: Wählen Sie einen dunklen, kühlen und temperaturstabilen Lagerort. -
Falscher Luftdruck während der Lagerzeit
Fehler: Reifen werden mit dem normalen Betriebsdruck eingelagert.
Folge: Das Gummi kann sich verformen und Standplatten bilden.
Tipp: Erhöhen Sie den Luftdruck um ca. 0,5 bar. -
Fehlende Kontrolle vor der Wiedermontage
Fehler: Reifen werden ohne Prüfung direkt wieder montiert.
Folge: Mögliche Schäden oder altersbedingte Verschlechterung bleiben unentdeckt.
Tipp: Überprüfen Sie vor der Montage Profiltiefe, Alter (DOT-Nummer) und auf sichtbare Schäden.
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Rechtliche Aspekte: Was Sie über Brandschutz und Vorschriften wissen sollten
Die Lagerung von Reifen ist nicht nur eine Frage der richtigen Technik, sondern auch der Sicherheit und Vorschriften. In der Regel ist die Lagerung eines Satzes Reifen in der eigenen Garage oder im Keller eines Einfamilienhauses unproblematisch und wird von keinerlei spezifischen Regelungen eingeschränkt. Hier gelten primär die allgemeinen Sorgfaltspflichten.
Anders sieht es in Gemeinschaftsräumen aus. In Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern oder anderen gemeinschaftlich genutzten Bereichen müssen Sie unbedingt die Hausordnung und die dort geltenden Brandschutzvorschriften beachten. Reifen stellen aufgrund ihrer Gummibestandteile eine erhebliche Brandlast dar. Es kann sein, dass die Lagerung dort gänzlich untersagt ist oder nur in dafür vorgesehenen Bereichen erlaubt ist. Informieren Sie sich im Zweifel bei Ihrer Hausverwaltung. Als Referenz für gewerbliche Lagerung dient die Muster-Kunststofflager-Richtlinie (MKLR), die die hohen Anforderungen an Brandschutz bei der Lagerung brennbarer Materialien verdeutlicht.
