Der Winter stellt Autofahrer vor besondere Herausforderungen, nicht zuletzt beim Thema Kraftstoffverbrauch. In diesem Artikel gebe ich Ihnen praktische Tipps und technische Erklärungen an die Hand, wie Sie mit der richtigen Wahl und Nutzung Ihrer Winterreifen Ihren Benzin- oder Dieselverbrauch im Winter aktiv senken können. Denn auch wenn Winterreifen grundsätzlich etwas mehr verbrauchen, gibt es Stellschrauben, um die Mehrkosten gering zu halten und bares Geld zu sparen.
Weniger Kraftstoffverbrauch mit Winterreifen So sparen Sie im Winter bares Geld
- Winterreifen können den Kraftstoffverbrauch aufgrund ihrer weicheren Gummimischung und des lamellenreichen Profils um 5-10 % erhöhen.
- Der Reifendruck ist entscheidend: Ein um nur 0,5 bar zu niedriger Druck kann den Verbrauch um bis zu 5 % steigern. Regelmäßige Kontrolle ist unerlässlich.
- Achten Sie auf das EU-Reifenlabel: Reifen der Klasse "A" oder "B" beim Rollwiderstand können bis zu 0,5 Liter Kraftstoff auf 100 km sparen.
- Ein vorausschauender und defensiver Fahrstil ist der größte Hebel, um den Verbrauch auf winterlichen Straßen zu minimieren.
- Schmalere, für das Fahrzeug zugelassene Winterreifen können im Vergleich zu breiteren Dimensionen spritsparender und sicherer sein.
Warum Winterreifen mehr Kraftstoff verbrauchen können
Es ist eine Tatsache, dass Winterreifen im Vergleich zu ihren Sommerpendants tendenziell einen etwas höheren Kraftstoffverbrauch verursachen. Das liegt primär an zwei entscheidenden Faktoren: der Gummimischung und dem Profil. Die spezielle Gummimischung von Winterreifen ist darauf ausgelegt, auch bei eisigen Temperaturen flexibel zu bleiben. Diese Flexibilität ist essenziell für guten Grip auf Schnee und Eis. Gleichzeitig führt diese weichere Beschaffenheit aber auch zu einem erhöhten Rollwiderstand. Ähnlich verhält es sich mit dem Profil: Die tiefen Rillen und unzähligen Lamellen, die für die Traktion auf rutschigem Untergrund unerlässlich sind, beißen sich förmlich in den Asphalt. Das Ergebnis ist ein Mehrverbrauch, der sich je nach Reifenmodell und Fahrweise auf etwa 5 bis 10 Prozent belaufen kann.
Die physikalischen Gründe für diesen erhöhten Rollwiderstand sind eng mit den Eigenschaften verbunden, die Winterreifen erst sicher machen. Die weichere Gummimischung passt sich Unebenheiten besser an und sorgt so für mehr Kontaktfläche. Das tiefere Profil mit seinen vielen Kanten greift besser in Schnee und Eis. Diese Eigenschaften, die für die Haftung und Sicherheit im Winter unerlässlich sind, bedeuten aber auch, dass mehr Energie aufgewendet werden muss, um den Reifen über die Straße zu rollen. Diese zusätzliche Energie muss vom Motor aufgebracht werden, was sich direkt im Kraftstoffverbrauch niederschlägt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die weichere Gummimischung, die auch bei Minusgraden ihre Elastizität behält, und das tiefere, stark lamellierte Profil sind die Hauptursachen für den gesteigerten Rollwiderstand von Winterreifen. Während diese Merkmale die Fahrsicherheit auf winterlichen Straßen maßgeblich verbessern, gehen sie eben mit einem leichten Mehrverbrauch einher. Es ist ein Kompromiss, den wir eingehen, um sicher durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
- Rollwiderstand: Dieser ist der Hauptverursacher für den Mehrverbrauch und macht 20-30 % des gesamten Kraftstoffverbrauchs aus.
- Gummimischung: Weicher und flexibler bei Kälte, was den Rollwiderstand erhöht.
- Profil: Tiefere Profilrillen und viele Lamellen für Grip, aber ebenfalls mit Einfluss auf den Rollwiderstand.
- Reifendruck: Ein zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand und damit den Verbrauch erheblich.
- Außentemperatur: Je kälter es ist, desto mehr verhärtet sich die Gummimischung, was den Rollwiderstand beeinflussen kann.

Optimaler Reifendruck: Ihr Schlüssel zum Sparen im Winter
Wenn es um Kraftstoffersparnis und Sicherheit im Winter geht, gibt es kaum einen wichtigeren Faktor als den korrekten Reifendruck. Ich kann es nicht oft genug betonen: Ein um nur 0,5 bar zu niedriger Reifendruck kann Ihren Kraftstoffverbrauch bereits um bis zu 5 Prozent in die Höhe treiben! Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, summiert sich aber über die gesamte Wintersaison zu einem spürbaren Betrag.
Die kalten Temperaturen im Winter haben einen direkten Einfluss auf den Reifendruck. Mit jedem Grad Celsius, das die Außentemperatur sinkt, verliert der Reifen etwa 0,1 bar an Druck. Das bedeutet, dass ein Reifendruck, der im Herbst noch perfekt war, im tiefsten Winter schon zu niedrig sein kann. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung des Reifendrucks im Winter absolut unerlässlich, um sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz Ihres Fahrzeugs zu gewährleisten.
Stellen Sie sich vor, Sie fahren den ganzen Winter mit einem um nur 0,5 bar zu niedrigen Reifendruck. Bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von beispielsweise 15.000 Kilometern und einem angenommenen Mehrverbrauch von 5 % durch den zu niedrigen Druck könnten das schnell 75 Liter zusätzlichen Kraftstoff bedeuten. Bei aktuellen Spritpreisen reden wir hier schnell von über 100 Euro, die unnötig ausgegeben werden. Das ist Geld, das Sie besser im Geldbeutel behalten könnten!
- Kalt messen: Prüfen Sie den Reifendruck immer bei kalten Reifen. Fahren Sie dafür nicht länger als 2-3 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle oder nutzen Sie ein tragbares Messgerät.
- Herstellerangaben beachten: Die korrekten Werte finden Sie in der Regel im Tankdeckel, an der B-Säule der Fahrertür oder in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs.
- "Volllast"-Druck wählen: Für den Winter empfehle ich oft, den vom Hersteller angegebenen "Volllast"-Druck zu verwenden, der für die maximale Beladung des Fahrzeugs ausgelegt ist. Alternativ können Sie den normalen Druck um etwa 0,2 bar erhöhen, um dem Druckabfall durch Kälte entgegenzuwirken.
- Alle Reifen prüfen: Vergessen Sie nicht, alle vier Reifen sowie das Reserverad (falls vorhanden) zu kontrollieren.
Ich rate dazu, den Reifendruck mindestens alle zwei Wochen zu überprüfen. Gerade im Winter, wenn die Temperaturen stark schwanken, kann sich der Druck schnell verändern. Auch vor jeder längeren Fahrt sollten Sie einen kurzen Check durchführen. So stellen Sie sicher, dass Sie immer mit dem optimalen Druck unterwegs sind.
EU-Reifenlabel: So finden Sie sparsame Winterreifen
Das EU-Reifenlabel ist ein wichtiges Werkzeug für uns Autofahrer, wenn es darum geht, informierte Entscheidungen beim Reifenkauf zu treffen. Es bietet eine standardisierte Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften eines Reifens und hilft uns dabei, Modelle zu identifizieren, die nicht nur sicher sind, sondern auch sparsam im Kraftstoffverbrauch.
Eine der zentralen Kategorien auf dem Label ist der Rollwiderstand. Dieser wird auf einer Skala von A (sehr gut) bis E (schlecht) eingestuft. Ein Reifen der Klasse A hat den geringsten Rollwiderstand und trägt somit am wenigsten zum Kraftstoffverbrauch bei. Reifen der Klasse E hingegen sind hier deutlich schlechter aufgestellt. Die Unterschiede sind dabei nicht zu unterschätzen.
Um das zu verdeutlichen: Ein Winterreifen der Klasse A beim Rollwiderstand kann im Vergleich zu einem Reifen der schlechtesten Klasse E bis zu 0,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer einsparen. Wenn Sie, wie viele von uns, jährlich etwa 15.000 Kilometer fahren, macht das eine jährliche Ersparnis von rund 75 Litern Kraftstoff aus. Bei aktuellen Spritpreisen können das leicht über 100 Euro sein, die Sie durch die Wahl des richtigen Reifens sparen. Das ist ein signifikanter Betrag, der sich über die Lebensdauer der Reifen noch erhöht.
Neben dem Rollwiderstand gibt das EU-Reifenlabel auch Auskunft über die Nasshaftung und die Geräuschemissionen. Gerade die Nasshaftung ist ein entscheidendes Sicherheitsmerkmal, besonders im Winter, wenn Nässe und Matsch häufig vorkommen. Es ist daher wichtig, dass Sie bei der Reifenwahl nicht ausschließlich auf den Rollwiderstand achten, sondern immer auch die Sicherheit, insbesondere die Nasshaftung, im Blick behalten. Ein Kompromiss zwischen Sparsamkeit und Sicherheit ist hier oft der beste Weg.
Den passenden Winterreifen wählen: Sparsamkeit und Sicherheit im Fokus
Die Wahl des richtigen Winterreifens ist mehr als nur die Entscheidung für die passende Größe. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle, die sowohl den Kraftstoffverbrauch als auch die Sicherheit auf winterlichen Straßen beeinflussen. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Ein oft diskutierter Punkt ist die Reifenbreite. Der Trend geht ja oft zu breiteren Reifen, doch gerade im Winter kann das ein Nachteil sein. Breitere Reifen haben naturgemäß einen größeren Kontakt zur Fahrbahn und damit auch einen höheren Luft- und Rollwiderstand. Das führt unweigerlich zu einem Mehrverbrauch. Für den Winter empfehle ich daher oft, auf die vom Fahrzeughersteller zugelassenen, schmaleren Reifendimensionen zurückzugreifen. Diese sind nicht nur spritsparender, sondern bieten bei Schnee und Eis oft auch die bessere Traktion und damit mehr Sicherheit.
Achten Sie unbedingt auf das Alpine-Symbol das ist das kleine Bergpiktogramm mit der Schneeflocke darin. Seit Anfang 2018 müssen alle neu hergestellten Winterreifen dieses Symbol tragen, um als echte Wintertauglichkeit bestätigt zu gelten. Ältere Reifen mit der reinen M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) sind nur noch bis Ende September 2024 gültig. Dieses Symbol ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Winterperformance, auch wenn es den Kraftstoffverbrauch nicht direkt beeinflusst. Es ist ein Indikator für Sicherheit, auf den man nicht verzichten sollte.
Auch die Profiltiefe spielt eine Rolle. Neue Winterreifen mit tiefem Profil haben tendenziell einen etwas höheren Rollwiderstand als abgefahrene Reifen. Das bedeutet, dass der Verbrauch mit abnehmender Profiltiefe theoretisch leicht sinken kann. Aber Vorsicht: Aus Sicherheitsgründen ist eine Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern für Winterreifen dringend empfohlen. Die gesetzliche Grenze von 1,6 Millimetern ist für den Winterbetrieb schlichtweg zu gering und birgt erhebliche Sicherheitsrisiken. Hier sollten Sie keine Kompromisse eingehen.
Fahrstil im Winter: So sparen Sie am meisten Kraftstoff
Bei aller Technik und Reifenwahl gibt es einen Faktor, der den Kraftstoffverbrauch im Winter oft stärker beeinflusst als alles andere: Ihr eigener Fahrstil. Hier liegt das größte Einsparpotenzial, das Sie sofort nutzen können.
Eine vorausschauende und defensive Fahrweise ist im Winter Gold wert. Das bedeutet, dass Sie frühzeitig erkennen, was vor Ihnen liegt, und Ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Sanftes Beschleunigen und Bremsen sind hier entscheidend. Auf rutschigen Straßen vermeiden Sie so unnötige Lastspitzen, die den Motor unnötig belasten und mehr Kraftstoff verbrauchen. Gleichzeitig erhöht diese Fahrweise Ihre Sicherheit erheblich, da Sie mehr Zeit haben, auf unerwartete Situationen zu reagieren.
Wenn Sie auf schneebedeckten oder matschigen Straßen unterwegs sind, ist es wichtig, eine möglichst gleichmäßige Geschwindigkeit zu halten. Vermeiden Sie ruckartige Lenkbewegungen und unnötiges Rangieren. Versuchen Sie, den Schwung des Fahrzeugs zu nutzen und Rollphasen zu verlängern. Das minimiert den Widerstand und hilft Ihnen, Kraftstoff zu sparen.
Nutzen Sie im Winter bewusst die Motorbremse. Wenn Sie vom Gas gehen, schaltet die Kraftstoffeinspritzung ab, und das Fahrzeug wird allein durch den mechanischen Widerstand des Motors gebremst. Das spart nicht nur Kraftstoff, sondern erhöht auch die Sicherheit auf glatten Fahrbahnen, da Sie die Bremswirkung besser dosieren können und die Antriebsräder nicht so leicht blockieren.
Winterreifen und Verbrauch: Mythen und Fakten im Check
Rund um Winterreifen und ihren Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch kursieren viele Mythen. Lassen Sie uns einige gängige Irrtümer aufklären und die Fakten beleuchten.
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass teure Winterreifen automatisch auch die sparsamsten sind. Das stimmt so nicht. Der Preis eines Reifens korreliert nicht direkt mit seiner Sparsamkeit. Entscheidend für den Kraftstoffverbrauch ist vor allem der Rollwiderstand, der auf dem EU-Reifenlabel angegeben ist. Ein teurer Reifen mag vielleicht in anderen Bereichen wie Nasshaftung, Geräuschkomfort oder Langlebigkeit überzeugen, aber er ist nicht zwangsläufig der Spritspar-Champion. Achten Sie daher beim Kauf gezielt auf die Kennzeichnung des Rollwiderstands.
Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, dass ein maximal erhöhter Reifendruck immer die beste Lösung für maximale Sparsamkeit ist. Das ist gefährlich und falsch. Ein überhöhter Reifendruck führt zu einer verringerten Aufstandsfläche des Reifens, was die Bodenhaftung reduziert. Das Fahrverhalten wird schlechter, der Bremsweg länger und der Reifen verschleißt ungleichmäßig. Der Komfort leidet ebenfalls erheblich. Stattdessen sollten Sie sich an die vom Hersteller empfohlenen Werte halten oder diese, wie bereits erwähnt, um maximal 0,2 bar erhöhen, um dem Druckabfall durch Kälte entgegenzuwirken.
Ganzjahresreifen werden oft als Allround-Lösung angepriesen. Sie stellen jedoch meist einen Kompromiss dar. Während sie in milden Wintern und heißen Sommern akzeptable Leistungen bringen können, stoßen sie bei extremen Bedingungen an ihre Grenzen. In Bezug auf den Kraftstoffverbrauch können sie je nach Modell mal sparsamer, mal weniger sparsam sein als spezielle Winterreifen. Generell bieten spezialisierte Winterreifen bei winterlichen Bedingungen die bessere Sicherheit und oft auch eine effizientere Performance, auch wenn der Verbrauch leicht höher sein kann. Langfristig gesehen kann die Nutzung von saisonalen Reifen die sicherere und oft auch effizientere Wahl sein.
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Ihre Checkliste: Sofort Kraftstoff sparen mit Winterreifen
Um im Winter mit Ihren Winterreifen Kraftstoff zu sparen, müssen Sie nicht auf teure Technik warten. Es gibt sofort umsetzbare Maßnahmen, die Sie direkt anwenden können, um Ihren Verbrauch zu senken.
- Reifendruck prüfen: Kontrollieren Sie regelmäßig den Druck und passen Sie ihn an die kalten Temperaturen an.
- Unnötiges Gewicht entfernen: Räumen Sie den Kofferraum leer. Jedes Kilo weniger spart Sprit.
- Fahrzeug von Schnee und Eis befreien: Entfernen Sie vor Fahrtantritt Schnee und Eis von Scheiben, Dach und Karosserie.
- Motor warm fahren: Vermeiden Sie hohe Drehzahlen im kalten Zustand. Fahren Sie die ersten Kilometer moderat.
- Kurzstrecken vermeiden: Wenn möglich, fassen Sie mehrere Erledigungen zusammen, um unnötige Kaltstarts zu vermeiden.
- Beim Reifenkauf auf das EU-Label achten: Wählen Sie Reifen mit guter Einstufung beim Rollwiderstand (Klasse A oder B).
- Fahrstil dauerhaft anpassen: Machen Sie vorausschauendes Fahren und sanftes Beschleunigen/Bremsen zur Gewohnheit nicht nur im Winter.
- Regelmäßige Fahrzeugwartung: Ein gut gewartetes Fahrzeug ist effizienter. Lassen Sie Inspektionen regelmäßig durchführen.
- Schmalere Reifen wählen: Wenn für Ihr Fahrzeug zugelassen, sind schmalere Winterreifen oft spritsparender und sicherer bei Schnee.
